Test: Klättermusen Röskva

Klättermusen Röskva

Klättermusen Röskva – 321€ für einen Sack mit ein paar Gurten dran?

Produkten von Klättermusen haftet stets der Hauch des Exklusiven an. Sie machen vieles nicht nur anders als andere Hersteller, sie garnieren ihre Produkte auch stets mit einem üppigen Preis. So verlangen sie für den Röskva, einen 65 Liter großen Rucksack für verschiedene Einsatzgebiete, 321€. Schon für weit weniger Geld sind aber bereits hochwertige Rucksäcke anderer Hersteller zu haben. Lohnt sich der Preisaufschlag von gut und gern 100% oder kann und sollte man das gesparte Geld lieber anderweitig investieren? Das zu klären ist vorrangiges Ziel dieses Tests.

Verarbeitung, Ausstattung & Besonderheiten

Äußerlich betrachtet ist der Röskva schlicht ein Sack mit vielen kleinen Schlaufen dran. Das Tragesystem hingegen schaut schon komplizierter aus. Sichtbar ist das u-förmige Aluminiumgestell, von dem aus die eigenwilligen Lastkontrollriemen abgehen. Diese baumeln dem Träger vor der Brust herum und lassen sich sehr einfach bedienen: ihre Arretierung geschieht in einer „Black-Box“ auf den Schulterträgern.  Die zur Lüftung perforierten, mit Schlaufen versehenen, in Länge und Position per Klett verstellbaren Schulterträger sind sehr stark konturiert und kräftig gepolstert. Schlaufen besitzt auch der höhen- und längenverstellbare Hüftgurt, der zudem üppig gepolstert ist. Praktisch ist sein robuster Schließmechanismus, der sich einfacher als jeder Blitzverschluss bedienen lässt.
Unspektakulär ist der bequeme Kontaktrücken, außergewöhnlich aber wieder das sich zwischen ihm und dem Hauptfach befindliche Fach für die Trinkblase, welche entsprechend und sehr praktisch von außen zugänglich ist.

Klättermusen Röskva

Der Klättermusen Röskva lässt sich weit öffnen – sehr praktisch.

Äußerst ungewöhnlich für einen solchen Rucksack ist der Reißverschluss des Hauptsacks. Hier ermöglicht er zwar die extrem weite Öffnung des desselben, Reißverschlüsse sind aber weit störanfälliger als herkömmliche Verschlüsse via Kordel und Blitzverschluss.
Das Hauptfach birgt mit seinen diversen Fächern eine Überraschung. Es besitzt neben kleineren Fächern, eins davon mit Reißverschluss, zwei Stifthalterungen und sogar ein Notebookfach (Stabilisierung ist herausnehmbar). Eine relativ geräumige und verschließbare Tasche gibt es auf der Innenseite des Reißverschlussdeckels. Standardmäßig war es das an Taschen. Wer seine Müsliriegel, den Foto etc. gern in einer Tasche außen am Rucksack verstaut hätte, wird werksseitig erst einmal enttäuscht, lediglich Befestigungsriemen sind vorhanden. Wo werden diese befestigt? Richtig, an den zahlreichen Schlaufen des Rucksacks. Und genau dort können auch zusätzliche Taschen angebracht werden. Klättermusen bietet diverse und wiederum ziemlich teure Zusatztaschen und weiteres Zubehör (Flaschen-, GPS-Halterung etc.) an. Ziemlich praktisch, weil man entsprechende Taschen auch an anderen Rucksäcken von Klättermusen verwenden kann.

Mit seinen 2210g ist der Röskva kein Leichtgewicht. Nutzt man dann noch verschiedene Taschen, steigt nicht nur der Gesamtpreis mal locker auf über 400€, sondern auch das Gewicht wird weiter in die Höhe getrieben (bei den 2x 6 Liter fassenden knapp 95€ teuren Sidepockets z.B. um 400g). Zudem ist das Zubehör auch nicht immer praxisgerecht, wie die Hipbelt Pockets (je 35€ und 70g) zeigen. Montiere ich sie wirklich an den Hüftgurt, reiben meine Unterarme an ihnen, was kurzärmlig sehr schnell sehr schmerzhaft wird. Ich hab sie deshalb an den Hauptsack verbannt.

Der Röskva besitzt ein komplexes Tragesystem und innen ungewöhnlich viele Taschen. Nur außen fehlts ihm, es gibt nicht einmal Kompressionsriemen.


Gut: auf dem Hauptfach findet man eine gute Zeltbefestigung via Riemensystem. Die Verarbeitung ist vorzüglich und die Materialien (das Gewebe ist wasserdicht, die Nähte nicht) sind äußerst hochwertig. Hinzu kommt noch, dass das Rucksackgewebe zu 100% recycled wurde (weitere Infos).

Tragekomfort

Verschiedene Rucksäcke müssen von der Größe her passend gekauft werden. Klättermusen bietet jeweils nur eine Größe an, der Rucksack wird dann auf den Träger eingestellt, was in der Praxis gut klappt und unbedingt erledigt werden sollte. Gerade weil Hüft- und Schultergurte stark konturiert sind, empfindet man bei richtiger Einstellung plötzlich ein Aha-Erlebnis.
Zur ersten Tour ging es mit dem Röskva auf den Schwäbische Alb Nordrandweg, den HW 1 (von Hauptwanderweg 1). Insgesamt brachte der Rucksack dabei rund 15Kg auf die Waage, weil ich wohl der Meinung war, unterwegs für eine Woche keine Lebensmittel einkaufen zu können. Nun ja.

Ungepolstertes Plaste am Hintern? Wer hat sich denn sowas einfallen lassen?!


Der Hüftgurt hat gleich sehr angenehm gesessen, wobei ich ihn nach ein paar Stunden noch weiter stellte und dachte „aha!“. Die Träger sind bequem, sitzen aber ungewohnt weit außen auf den Schultern, was ich auch nicht korrigieren konnte. Die Beladung war für den Rucksack in Ordnung, aber viel mehr würde ich dem System auch nicht zutrauen wollen, denn wer glaubt, ein 361€ Rucksack trüge sich automatisch wolkengleich, der irrt. Nach einer Weile habe ich an meiner Hinterseite den harten, hier ungepolsterten Hüftgurt schmerzlich gespürt. Das wurde erst an Tag zwei besser – glücklicherweise. Ebenso schmerzte nach einiger Zeit mein Schlüsselbein, obwohl die Träger toll konstruiert und gut gepolstert sind. Die Lastkontrollriemen waren dabei angezogen, aber nicht sehr fest.
Nach einer schmerzhaften Eingewöhnungsphase empfand ich den Tragekomfort als insgesamt „gut“, war aber auch schon bequemer unterwegs.

Fazit

Der optische und haptische Eindruck ist beim Röskva erstklassig. Von vorn bis hinten erscheint erst einmal alles zu überzeugen, bis man ihn dann unterwegs nutzt. Ich bitte nicht falsch verstanden zu werden, der Röskva ist ein guter Rucksack, nur werden in der Praxis eben auch verschiedene Schwächen deutlich: Der teilweise ungepolsterte Hüftgurt gehört dazu, das höhere Gewicht auch, ansonsten sind es eher Details, wie die optionalen, breit auftragenden und damit unbequemen Hipbelt Pockets. Ganz oben auf meiner Minusliste steht indes die Frage, warum ich 321€ für einen Rucksack ausgeben soll, der in der Hauptdisziplin, dem Tragekomfort, auch nicht besser abschneidet als viele andere, nur halb so teure Rucksäcke. Eine wirkliche Kaufempfehlung bekommt der Klättermusen von mir daher nicht. Wer aber auf Exklusivität steht und das nötige Kleingeld über hat, zudem einen wirklich soliden und recht umweltfreundlichen Rucksack sucht, der sollte sich den Röskva einmal näher anschauen. Ansonsten gibt es für mich keinen Grund diese Summe zu investieren.

Produkt Klättermusen Röskva
Preis 321€
Gewicht 2210g
Weiterführende Infos Herstellerlink
Spontane Assoziation Variabel, macht Spaß, teuer
Einsatzbereich Allround
Bewertung 7 out of 10 stars (7 / 10)

 

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