Surly Nice Rack im Test. Der Gepäckträger aus Stahl.

Surly Nice Rack Rear

Surly Nice Rack rear. Der Gepäckträgergigant.

Beim Surly Nice Rack handelt es sich um eine wahre Wuchtbrumme von Gepäckträger. Was die 2 ¼ Pfund Stahl taugen, klärt unser Test auf radundfuss.de.

Der Surly Nice Rack im Detail

Surly Nice Rack Rear

Der Surly Nice Rack Rear ist stufenlos höhenverstellbar. Die entsprechende Klemme macht einen robusten Eindruck.

Natürlich ist auch der Surly Nice Rack „nur“ ein Gepäckträger, aber bereits in der Hand bittet er einen durch sein hohes Gewicht und die zahlreichen Streben und Verstrebungen direkt und vollbeladen auf Weltreise zu gehen. Die Belastungsgrenze liegt laut Surly in der Tat bei 36Kg. Das klingt richtig gut, wird aber nur von wenigen ausgenutzt werden. Jedoch beruhigt es, wenn man die Sicherheit hat noch einige zusätzliche Liter Wasser mit an Bord nehmen zu können. Und wem das noch nicht reicht, der gönnt sich überdies noch den Surly Nice Rack für vorne, der beinah genauso viel Gewicht schultern kann. Vollbeladen könnte das Rad dann mehr Gepäck schultern, als es Rad und Fahrer lieb sein kann: über 65Kg! Mit einem 85Kg Fahrer landet man also schon direkt bei 150Kg plus Radgewicht. Aber Vorsicht, solch ein Gewicht stemmen nicht allzu viele Fahrräder!

Die Montage kann auf den meisten 26 bis 28/29 Zoll Fahrrädern erfolgen, sofern vor allem die Scheibenbremsen nicht mit den Gepäckträgerstreben kollidieren. Von Nachteil mögen das hohe Gewicht sein und die manch einem fehlende tieferliegende Anbringungsstrebe für Packtaschen. Für das Rücklicht steht überdies nur ein einziges Schraubenloch zur Montage zur Verfügung, weswegen man sich für die meisten gängigen Rücklichter mit einem Adapter behelfen muss. Auch befindet es sich in einer recht exponierten Lage, die es anfälliger für mechanische Beschädigungen macht.

Technische Daten

Surly gibt das Gewicht des aus 10mm Stahlrohren gefertigten Nice Rack mit 1260g an (nachgewogen habe ich 1140g). Und wer Wert auf die Plattformmaße des Trägers legt, Surly sagt: 310x150mm.

Erstes Problem

Schade: der erste von mir bestellte Surly Nice Rack ging direkt wieder zurück. Mit bloßem Auge war zu ersehen, dass der Träger in sich schief war (siehe Bilder). Wie er durch die hoffentlich vorhandene Endkontrolle kam, ist mir schleierhaft. Bei meinem jetzigen Surly Nice Rack ist eine vordere Befestigungsstrebe im Bereich der „Plättung“ (beim Befestigungsloch) nicht ganz gerade. Das macht nichts, nur einen schlechten Eindruck.

Surly Nice Rack Rear

Die obere Befestigung des Surly Nice Rack Rear ist fummelig zu montieren.

Die Montage des Surly Nice Rack

Vor der Weltreise erfolgt die Montage. Schwierig ist sie an und für sich nicht, es geht aber auch einfacher. Nach erfolgter Hohlraumversiegelung (Rostschutz) kann mit der Montage begonnen werden. Was ist dabei zu erledigen? Der Surly Nice Rack ist stufenlos höhenverstellbar. Das Prinzip folgt der Verstellung der Sattelstütze im Rahmen, die Klemmung mittels zweier Schrauben. Betreffende Teile waren in meinem Fall leicht zusammenzufügen, in der Anleitung spricht Surly aber von Tricks, wie es leichter gehen kann. Offensichtlich ist dieser Arbeitsgang also nicht immer so leicht auszuführen. Die Anbringung der oberen Streben war hingegen schon bedeutend fummeliger. Sie erfolgt am besten mit umgedrehten Gepäckträger auf einem Tisch. In ein u-förmiges Befestigungsteil wird eine kleinere Passung gelegt und an einer Strebe des Trägers angebracht. Dann folgt eine weitere Passung und anschließend wird die obere Befestigungstrebe hindurch gesteckt. Offensichtlich sind hier die Toleranzen recht groß, denn eine Passung habe ich kaum in die U-Form bekommen und die anschließende Montage der Strebe war eine kleine Nervensache. Ist alles montiert, wird mit einer Madenschraube gegengeschraubt. Insgesamt etwas fummelig, aber dennoch nicht sonderlich schwierig. Auffallend: die unteren Streben sind im Bereich der Befestigung beidseitig plattgedrückt. Schraubt man sie so an seinen Rahmen, hat die Rundung (das eigentlich Rohr) Rahmenkontakt, noch bevor der platte Bereich dagegen drückt. Hier scheint mir eine einteilige Plättung sinnvoller – oder besser noch die Beigabe entsprechender Distanzscheiben, mit denen zumindest ich gearbeitet hab. Ohne die Distanzscheiben wäre es an meinem Surly Troll schlecht möglich gewesen den Träger waagerecht auszurichten und den Lack ganz zu lassen. Komisch was die Leute von Surly da angestellt haben.

Der Surly Nice Rack in der Praxis

Nach erfolgter Ausrichtung werden alle Schrauben festgezogen und es kann losgehen. Zumindest wenn man keine Packtaschen fährt. Nutzt man welche, müssen auch sie noch auf den Gepäckträger eingestellt werden. Das geschieht am besten so, dass man sie beim pedalieren nicht mit den Schuhen streifen kann. Außerdem sollten sie auf dem Gepäckträger möglichst sicher sitzen, also nicht nach vorne oder hinten rutschen können. Unter anderem schont das den Gepäckträger vor Abrieb. Der Surly Nice Rack bietet meinen Ortlieb Rear Rollern eine perfekte Basis für eben jene Einstellung. Die oberen Haken sitzen perfekt vor und hinter einer Strebe und der untere Haken sitzt ebenfalls perfekt. Bei manch anderen Gepäckträgern war die Montage der Packtaschen leider nicht so einfach möglich.

Surly Nice Rack Rear

Der Surly Nice Rack Rear am Surly Troll in seiner ganzen Pracht!

Vom Fahrverhalten würde sich manch einer sicher noch eine tiefere Anbringung der Packtaschen an zusätzlichen Streben wünschen, denn der Schwerpunkt wäre dann günstiger. Den Unterschied mag man spüren, für mich ist dessen Bedeutung aber nicht ausschlaggebend. Je nach Beladungszustand der Taschen könnte sich bei tieferer Anbringung eine gerade Auflagefläche ergeben: wenn die Packtaschen ebenso hoch gepackt sind, wie die Trägeroberseite. Beim Surly Nice Rack und vollbeladenen Packtaschen ergibt sich von hinten gesehen eher ein Tal mit zwei danebenliegenden Bergen. In das Tal kann man einen weiteren Packsack (z.B. Zelt oder Isomatte) sehr elegant reinlegen und bombensicher befestigen.

Die Konstruktion des Surly Nice Rack ist solide und auch mit ordentlich Gepäck bleibt der Träger schön steif. Das ist sicherlich nicht zuletzt dem immensen Materialeinsatz zuzuschreiben, eben der 1140g. Der Tubus Cargo wiegt und kostet nicht einmal die Hälfte, ist aber vom Hersteller gar bis 40Kg Last freigegeben. Da kommt man wirklich ins Grübeln, oder? Warum für einen Surly mittlerweile knapp 170€ bezahlen, wenn man für das Geld bei Tubus noch einen Lowrider hinzubekommt, die beide zusammen grad mal so viel wiegen, wie bei Surly ein Nice Rack allein? Auf technischer und praktischer Seite fällt mir kein Grund ein und an der Haltbarkeit wird es wohl auch nicht liegen. Tubus genießt einen ganz hervorragenden Ruf! Auch ich hätte das Geld für den Träger nicht gezahlt, hätte ich den Surly Nice Rack nicht für weniger als 120€ bekommen.

Fazit

Der Surly Nice Rack ist ein gut gearbeiteter und solider Gepäckträger für Touren aller Art. Das hohe Gewicht und vor allem der immense Preis schließen ihn aber für ein breites Publikum aus. Deswegen mag ich ihn auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, weil die meisten Reiseradler mit einem Tubus besser bedient sind (leichter, günstiger, je nach Modell nicht weniger belastbar) und es auch für den Alltag wesentlich praktischere Träger gibt. So präsentiert sich der Surly Nice Rack als ein auffallend fetter Lastenträger für Freaks, die Geld überhaben.

Weiterführende Infos

Was die Leute von Surly zu ihren Nice Racks sagen? Lest ihr hier.

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