Der Rhone-Radweg: Meine Radtour entlang der Rhone 2014

Mit dem Liegetrike durch die Provence auf dem Rhone-Radweg.

Lange habe ich auf meine diesjährige Osterradtour gewartet. Und als es dann soweit ist, habe ich noch immer (fast) keinen Plan, wo ich denn eigentlich hinmöchte. Zwei Sachen stehen jedoch fest: Ich fahre mit meinem Liegetrike und ich will dorthin, wo das Wetter gut ist. Südfrankreich, das klingt doch gut! Das KMX Venom passt in viele Bahnen nicht rein und so schnappe ich mir unseren Kombi und packe das Rad in den Kofferraum. Das Liegetrike verfügt zwar über keinen Faltmechanismus, aber es passt gut.
Unterwegs erlebe ich zwar mehrmals das seltsame Verhalten desorientierter AutofahrerInnen auf der Autobahn, aber bis kurz hinter Lyon schaffe ich es lebend. Dort warte ich an einer roten Ampel und als diese auf grün umspringt, fährt mir ein LKW hinten rein. Bummsknall, Peugotchen steckt das klaglos weg. Glücklicherweise war ich gerade beim Anfahren – und der LKW auch. Nicht mal ein Kratzer. Als ich Le Peage-de-Roussillon erreiche, ist es bereits 18:30 Uhr. Frisch mit einem herrlichen Schokokuchen gefüttert, entlade ich mein Rad, bastele den Gepäckträger dran (mit demselben passt das Rad nicht in den Wagen) und mache es fahrbereit. Los geht’s. Das erste Mal mit dabei habe ich die Ortlieb Liegeradtaschen. Riesen Dinger und mit rund 270€/Satz auch riesig teuer.

Die Route

So spontan mein Reiseziel letztlich gewählt war, so schlecht bin ich auf die Strecke vorbereitet. Schlechter noch, nämlich fast gar nicht. Von ungefähr Lyon will ich zum Mittelmeer radeln und von dort dann auf einem anderen Weg zurück zum Auto. Einzig den Mt Ventoux hatte ich zu erklimmen geplant, mehr Pläne gibt es nicht. Und so geht es nun erstmal raus aus dem Örtchen, für heute steht lediglich leichtes Einrollen und eine baldige Schlafplatzsuche an.

Leichtes Einrollen? Gleich hinter dem Ort geht es bergab und plötzlich fahre ich schon 60 Km/h. Je schneller, desto lieber ist es mir! Allerdings fährt sich mein ²Sofa vollbepackt und bei holprigerem Untergrund auch zickig wie… wie… ääh, da fällt mir gar kein Vergleich ein. Wo es runter geht, geht es aber auch wieder hoch und wo es mal hell war, ist es nun dunkler. Ich suche mir einen Schlafplatz und erlebe eine ruhige erste Nacht auf einem Holzfällerplätzchen.

Das MSR Skinny One hat mir wieder eine kuschelige Nacht beschert.

Das MSR Skinny One hat mir wieder eine kuschelige Nacht beschert.

Früh morgens geht es los und als ich um die ersten Kurven biege, blicke ich nicht nur direkt in die herrliche Morgensonne, sondern auch auf saftige Wiesen und ein lecker kleines Dörfchen unter mir. Es geht durch Anjou, Anneyron und viele weitere Ortschaften, deren Namen ich nicht aussprechen kann. Auch wenn die Römer mal in Frankreich waren, Latein beherrscht hier niemand. Ich zwar auch nicht, aber eher als französisch. Und so versuche ich mir aus den Ortsnamen Eselsbrücken zu basteln: aus Saint-Donat-sur-l’Herbasse wird schlicht der heilige Donut, aus Epinouze die epische Nase – das hilft mir bei der Orientierung.
Nett ist es hier, irgendwie wie in Nordhessen. Wärmer zwar und trockener, aber ebenso hügelig. So sollte es eigentlich auch bleiben, aber nach einigen Kilometern gerate ich auf eine Straße, die mich arg nah an und schließlich ganz an die Rhone bringt. …hier gibt es einen Rhone-Radweg? Och, nutze ich ihn doch einfach mal. Keine schlechte Sache eigentlich: der Weg ist eben, schnell und gar nicht mal so hässlich. Wenige Kilometer vorher traf ich eine Rennradlerin, die mir von den Nordwinden an der Rhone berichtete. Davon ist nichts zu spüren, trotzdem läuft das Venom mit dreißig und ein paar Kilometern fröhlich geradeaus. Unterwegs treffe ich alle paar Kilometer ein paar Radler, sonst ist es hier wirklich leer.

Mit Vollgas durch den Kreisel

Eine andere Art von Leere befällt mich alsbald. Auf einmal ist er nämlich verschwunden, der Radweg. Ich bin zwar echt dafür bekannt Radwege zu verlieren, aber der hier ist wirklich weg. Ich fahre extra nochmal zum letzten Schild zurück und vergewissere mich der Richtung. Nein, ich hab mich nicht verfahren. Und der Weg fehlt nach wie vor – dann also über die Bundesstraße, die N7. Herrlich: Krach, überholende LKWs und teils so enge Ortsdurchfahrten, dass ich mit meiner Überbreite ein Überholen meinerselbst verunmögliche. Ich bin der Stau!

Sicher, so eine N7 zu fahren ist schon grässlich, aber immerhin gibt es (meistens) einen breiten Seitenstreifen auf dem ich mich austoben kann und solch Bundesstraßen machen auch wenig Umwege und dramatische Steigungen beinhalten sie auch seltener. Und was mir bald richtig Spaß macht: das Kreiselfahren. Breit bin ich, ja, aber nicht so breit, dass ich zwei Spuren benötige. Trotzdem beschleunige ich vor dem Kreisel auf Rammgeschwindigkeit und fahre genau in des Kreisels Mitte, blockiere also gleichzeitig dessen innere und äußere Spur (mehr oder weniger zumindest). Für die nachfolgenden Autofahrer biete ich gern dramatische Szenen und zirkele auf zwei Rädern um die Kurven. Naja, mir macht‘s Spaß.

Mit meiner Vorliebe für den Osten Europas, habe ich den Westen als Reiseziel fast völlig vernachlässigt und so ist Frankreich für mich ein fast unbeschriebenes Blatt. Macht aber nichts, schließlich habe ich nun vieles zu entdecken und freue mich in jedem noch so kleinen Örtchen über die verwinkelten, engen Gassen und die Zeugnisse alter Zeit. Sehr schön.

Eine kleine Auswahl meiner Rhonetal-Schnappschüsse

Mt Ventoux

Mein erster Schlafplatz war nun nicht gerade der Hammer und so freue ich mich auf schöne Aussichten aus meinem MSR Skinny 1. Irgendwie soll es aber nicht sein. Egal wo ich nach einem Schlafplatz Ausschau halte, überall habe ich das Gefühl bei irgendjemandem im Vorgarten zu übernachten und so wähle ich fortan stets Campingplätze zum Schlafen. Schade, aber so ist es halt.

Das Rad läuft gut, ich gebe Gas und merke gar nicht wie schnell es voran geht. Ein Blick auf die Karte lässt mich stutzen. Moment mal, ich bin am Mt Ventoux vorbeigebrettert? Pfff. Also Richtung Nordosten. Nach grob 145Km bin ich an diesem Tag ziemlich platt und nächtige in Sichtweite des schneebedeckten Berges. Und irgendwie hab ich Angst. Da will ich hochfahren? Mit dem Liegetrike? Und Gepäck? Aber ich blicke zum Berg rüber und gewinne das Staredown mit ihm. Dich mache ich morgen fertig! (Eigentlich habe ich was anderes gedacht, aber da die Seite Jugendfrei ist…)

So breche ich am Morgen auf und kehre noch in einem Supermarkt ein, sorge für reichlich Nachschub an Flüssigkeit und Keksen. Extra für den Gipfel gönne ich mir eine herrliche Flasche O-Saft, die herrlich teuer ist und sich mitten in der Ortlieb lange Zeit kühl halten wird. Darauf freue ich mich. Und auf den Gipfel. Und auf die Abfahrt. Seit diesem Zeitpunkt weiß ich übrigens, was „ferme“ bedeutet. Als ich nämlich schon gefühlte Stunden am Berg unterwegs bin, stoppt mich ein entgegenkommender Autofahrer: der Pass ist zu, Baustelle, Schnee und überhaupt. Mist. Dennoch fahre ich soweit es geht, quatsche vor der Baustelle noch mit ein paar Leuten… und dann! Dann geht’s runter! Schon am Morgen und während des ganzen Vormittags habe ich meine Achillessehne gespürt, aber das ist jetzt egal, treten muss ich eh nicht. Auch so rennt das Venom wie besessen gen Tal. Bei dem Untergrund wird das Rad ab rund 50Km/h nervös, meine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70Km/h. Aber je schneller man fährt, desto schneller ist der Berg auch zu Ende, bald geht’s wieder durch die Ebene, wieder Richtung Meer. Am Meer werde ich aber nicht mehr ankommen. 40Km sind es nur noch, aber die spare ich mir. Meine Sehne schmerzt mehr und mehr und so viel Zeit bleibt mir auch nicht mehr für die Rückfahrt. Schließlich will ich mich in ein paar Tagen mit Magda treffen und wir wollen noch gemeinsam durch den Schwarzwald touren. Und auf das Meer stehe ich eigentlich eh nicht.

Mit Schmerzen zum Peugot – mein Resumee

Rückfahrt also. Jetzt weiß ich auch, was die Rennradlerin mit Nordwind meinte. Permanent pfeift mir eben dieser mit rund 30Km/h um die Speichen. Die Kombination aus Wind und der entzündeten Sehne macht keinen großen Spaß. Das entsprechende Bein versuche ich mit größerer Anstrengung des anderen zu entlasten, aber auch die Sehne macht bald Stress. Meine Geschwindigkeit sinkt auf beschämende 15Km/h und ändern wird sich bis zuletzt nichts mehr daran. Immerhin finde ich nun etwas häufiger den Rhone-Radweg, aber vollends ausgebaut ist er noch immer nicht.

Und überhaupt: Der Rhone-Radweg ist nicht mein Lieblingsradweg – zumindest nicht der Abschnitt, den ich gefahren bin. Wo er ausgebaut ist macht er Spaß und hinter allen paar Ecken verbirgt sich eine Ortschaft, die zum Verweile einlädt. Für Genießer und Städtchenschauer ist der Weg eine tolle Sache, aber mich konnte er einfach nicht so sehr fesseln, wie ich es selbst im Nachhinein vermuten würde. Vielleicht liegt das an der teils wenig liebevollen Wegführung? Wie gesagt, immer wieder wird der Rhone-Radweg unterbrochen oder wird unangenehm geleitet. Spaß hat er mir gemacht und richtig schön fand ich ihn dort, wo er wirklich als richtiger Radweg ausgebaut war. Gefühlt bin ich aber meist auf Lückenbüßerwegen unterwegs gewesen. Und am Ende ist man immer schlauer. Ich bin dann nochmal mit dem Auto an die Ardeche. Uuuuuh, die Strecke hätte ich unbedingt mit dem KMX fahren sollen! Na, beim nächsten Mal!

Warum ich noch Zeit hatte mit dem Auto die Ardeche zu erkunden? Mit meiner Rückfahrkalkulation lag ich um einen ganzen Tag daneben. Und meine Sehne? Als ich am Auto ankam, war meine Achillessehne vollends fertig, sehr stark geschwollen und gequitscht hat sie obendrein – nach 5 Tagen und 640 Kilometern.

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