Schneeschuhwanderung: Auf dem GTJ durch den Französischen Jura – Teil 2

Winterwanderung auf Schneeschuhen Französische Jura 2014

Unsere Winterwanderung wird mehr und mehr zu einem Badeurlaub

Wie wir nass und nasser wurden und sich drei Tage Regen in herrlichen Schneefall wandelten.

3.1.2014 – Wie, in dieser Pizzeria gibt es keine Pizza?

Nach rund zwölf Stunden Schlaf erwache ich und lausche den Klängen von Regentropfen am Außenzelt. Na, die Tour fängt ja gut an. Mit zunehmender Helligkeit lässt der Regen nach und als wir unser Frühstück beendet haben, ist kein fallendes Wasser mehr zu hören. Einpacken, abbauen, wir laufen los. Landschaftlich hat sich nichts wesentliches geändert, nur bald fängt es erneut und dann immer wieder an zu regnen. Wir erreichen Mouthe und beschließen dem Regen auszuweichen und eine Mittagspause in der gemütlichen Pizzeria abzuhalten. Die Karte wird studiert oder vielmehr nach der leckeren Pizza mit vier Käsesorten durchforstet. Da ist sie! Wie? Was? Pizza gibt es nur am Wochenende? So viel Zeit haben wir nicht, Comte und Co. müssen in Form einer Nudelsauce dargereicht werden.
Einen kleinen Einkauf später entschließen wir uns, den Weg zu unserem nächsten Schlafplatz rasch hinter uns zu bringen und folgen schlicht der Landstraße. Das Wetter ist ungemütlich, es regnet mal gar nicht, meist aber schwach, manchmal etwas stärker. Hinter Chaux-Neuve errichten wir unser nächstes Nachtlager und erwachen am…

4.1.2014 – Ein Tag voller Regen im Jura

…mit Regen. Beim Zeltaufbau lag überall um uns herum Schnee, nunmehr ist er großflächig weggewaschen. Im Regen bauen wir das Zelt ab, wir durchwaten alsbald Pfützen und Schlamm und Scheematsch. Währenddessen regnet es weiter und in einem fort. Regenpausen wird es heute nicht geben und so schaue ich zu, wie die Imprägnierung meiner Adidas SuperTrekking Jacke langsam aber sicher nachgibt. Dicht ist sie dank Gore-Tex ProShell ja noch immer, aber atmen tut da nun nichts mehr und so werde ich unter der Jacke nasser und nasser. Meine Marmot Entrada Hose hat sich gegen den Regen lange Zeit erfolgreich gewehrt, aber nach einer dreiviertel Stunde hat auch sie den Kampf aufgegeben. Sie ist halt keine Regenhose. Langsam zieht sich die Feuchtigkeit durch den Hosenstoff unter die Gamaschen und wandert in Richtung der Stiefel. Bei Magda ist das egal. Beide Membrane ihrer Hanwag Alaska GTX sind defekt. Das wissen wir seit genau heute.
Nun heißt es nur noch vorwärts kommen. Wir möchten Chapelle-des-Bois erreichen und uns eine feste Behausung suchen, um unsere Sachen trocken zu bekommen. Aber gibt es in der Wintersaison in einem Skigebiet überhaupt noch freie Zimmer? Puuh, diese Frage quält mich, bis wir bereits in der ersten Pension fündig werden. Mal abgesehen von den nur handwarmen Heizungen, finden wir eine urgemütliche Unterkunft, die uns mit einem hervorragenden Abendessen und einem kargen Frühstück beglückt.

5.1.2014 – Neuschnee!

Gewaschen und getrocknet geht es am nächsten Morgen freudestrahlend weiter: über Nacht sind einige Zentimeter Neuschnee gefallen! Die Landschaft und unsere Laune hat das ordentlich aufgepeppt und dermaßen beschwingt ziehen wir unsere Spuren durch die französische Landschaft. Wir durchqueren Chapelle-des-Bois mit einem kurzen Stop im dortigen Lädchen. Als abendlichen Leckerbissen entscheide ich mich für eine mit Karamell gefüllte Schokolade. Vom Produzenten hatte ich bislang noch nie was gehört aber bei einem Preis von 2,95€ und dem majestätisch klingenden Namen „Klaus“, muss die Schokolade etwas ganz besonderes sein.
Am nächsten Anstieg klacken meine Schneeschuhe, von hinten ein Aufschrei. Als ich mich umdrehe, ist von Magda nur noch eine Scheefrau übrig. Meine Schneeschuhe hatten sich kurz gegenseitig blockiert und als der untere wieder freikam, wirbelte er eine ordentliche Portion Schnee auf. Alles auf Magda. Wenige Meter später klappe ich meine Steighilfen ein, verliere dabei das Gleichgewicht, taumele nach hinten. Und wer schon mal mit Schneeschuhen gelaufen ist, der weiß, dass man mit ihnen nicht rückwärts laufen sollte. Meine Versuche irgendwie auf den Beinen zu bleiben sind erfolgreich, haben aber die Grazie eines aufgeplatzten Müllsacks.

[Fortsetzung folgt]
  • 1-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (6)

    Irgendwie symptomatisch für die ersten Tourtage: Ganz schön nass.

  • 2-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (7)

    Der Arcteryx Altra 75 ließ kein Wasser hinein. Eine tolle Entdeckung, dieser Rucksack!

  • 3-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (8)

    Unser Nammatj 3GT. Geschossen von einem Schneestativ aus... immerhin.

  • 4-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (9)

    Das macht doch keinen richtigen Spaß. Wir durchwaten Gewässer auf Forstwegen.

  • 5-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (10)

    Yeah: Eine Nacht in einer Pension (im Hintergrund) und schon hats geschneit. Glücklich stiefeln wir durch den Schnee.

  • 6-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (11)

    Frischer Schnee, häufig strahlender Himmel und ein hübsches Bächlein.

  • 7-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (12)

    In den Höhenlagen wird der Schnee tiefer (als hier) und immer wieder sinken wir auch mit Schneeschuhen ordentlich ein.

  • 8-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (13)

    Dieese offene Hütte bietet kurzen Unterschlupf, ist innen aber etwas gammelig ungemütlich. Ohne Schneeschuhe versinke ich hier bis über die Knie im Schnee.

  • 9-Winterwanderung durch die Französische Jura auf Schneeschuhen (14)

    Unsere erste und eigentlich auch einzige kalte Nacht auf dieser Tour. Das Thermometer zeigt in der Apsis -8°C. In unseren Cumulus Tenequa ist uns mollig warm.

One comment

  • Toller Bericht und top Aufarbeitung hier auf der Seite! Besonders die runden Boxen mit den Bildern und den kurzen Reviews haben es mir angetan… 😉

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