Radreise entlang der Seidenstraße: Durch Kirgistan und Usbekistan – Teil 5

Kiosk nahe Osh

Radreise Etappe 2: Vom Toktogul nach Osh

Das Licht geht aus. Oder: man lernt noch immer was hinzu

Wir verlassen unseren herrlichen Zeltplatz am See und beginnen die letzten beiden Etappen in Kirgistan, bevor wir Osh und damit auch die Landesgrenze nach Usbekistan erreichen. Noch fahren wir für einige Kilometer an den Stauseen entlang und verlassen diese mit einem kleinen Schreckmoment. Keiner von uns beiden hat Licht an seinem Rad, wir leuchten bei Bedarf mit unseren Stirnlampen. Aber warum sollen wir bei diesem unbeleuchteten, aber kurzen Tunnel überhaupt anhalten und die Lampen herauskramen? Das stellen wir gleich darauf fest. Also rein in den Tunnel und nach einigen Metern ist plötzlich alles schwarz. Warum wir nicht anhalten und die Lampen rauskramen? Warum wir nicht umkehren, um sie umzuschnallen? Keine Ahnung. Jedenfalls geht es im völligen Blindflug durch die Schwärze. Keine Ahnung wo die Tunnelwände sind. Keine Ahnung auf welcher Straßenseite wir fahren. Keine Ahnung wie die Straße aussieht und wo die fetten Schlaglöcher lauern. Aber da vorne ist das Licht und wenn ich darauf zuhalte, dann müsste es doch irgendwie gehen?! Jupp, es geht.

Tunnel in Kirgistan

Schaut gar nicht so lang aus der Tunnel – es täuscht.

Campingplatz in Kirgistan

Highlights auf dem Weg nach Osh? Die gibt es. Ich entdecke eine Tischdecke, die ausschaut wie mein Tagebuch. Ich flicke zum x-ten Mal meinen Schwalbe Almotion (und pumpe ihn in sengender Hitze auf). Und damit bin ich mal wieder der, bei dem alle halten und ihn beobachten. Ach, nicht zu vergessen: Auch diesen Tag wird es irgendwann später und wir umrunden gerade einen See, als wir einen Weg entdecken und uns denken: jupp, da suchen wir uns einen Schlafplatz. Wenige Meter später kommt uns ein junger Kerl auf einem Rad entgegen und behauptet wir wären hier auf einem Campingplatz und sollten dann auch das Geld dafür zahlen.

Campingplatz in Kirgistan

Unser erster Campingplatz in Kirgistan!

Umgerechnet 30 Cent? Wir glauben ihm zwar kein Wort, denn von einem Campingplatz ist wenig zu sehen, geben ihm aber das Geld. Dann weißt er uns ein, zeigt wo wir schlafen können, wo die Waschstelle ist, die Toilette, die Umkleidekabine… und der kleine Familienbetrieb verkauft sogar wassergekühlte (warme) Getränke. Also doch ein Campingplatz. Irgendwie zumindest.

 

Campingplatz in Kirgistan

Unser Lager für die Nacht. Also Isomatten aufpusten und unter den Bäumen Ruhe finden. Schön!

Campingplatz in Kirgistan

Und hier der Sonnenuntergang, den wir auf dem Campingplatz erleben durften.

Der Reifen ist mal wieder platt!

Ganz so früh kann unser Start am nächsten Tag nicht erfolgen, denn ich habe mal wieder einen Platten. Super, nach der Nacht war die Luft aus dem Reifen. Immerhin habe ich einen Haufen Wasser, um das Loch schnell ausfindig zu machen. Tüftel, tüftel, es kann weitergehen. Vorerst. Denn wir lassen nicht nur die Berge hinter uns, sondern mein Reifen (warum eigentlich immer am Hinterrad?!) auch seine Luft hinter sich. Also mal wieder ein Reparaturstop, taktischerweise geschickt an einem kleinen Kiosk. Magda muss die Besitzerin über deutsche Wohnverhältnisse aufklären und mir eine eiskalte Fanta kaufen. Bis ich den Reifen geflickt habe, ist der Liter Fanta schon wieder ausgeschwitzt.

Platter Reifen

Ich mal wieder im Mittelpunkt beim Reifen flicken…

Wir erreichen Osh

Seit gestern ist das Gelände doch arg flach geworden. Langweilig irgendwie. Aber auch die Leute verändern sich. Hier scheint zwar nicht viel, aber doch mehr Geld vorhanden. Es gibt mehr Autos und Kinder fahren auch mal auf Fahrrädern. Autos gibt es teils so viel und die Straßen sind gerade in manchen Ortschaften so voll und die Straßen so schlecht, dass das Radfahren nur noch wenig Spaß macht. Wir reißen die letzten Kilometer bis Osh herunter und kommen nach einiger Suche an unserem Hotel an. Da kann man durchaus auch von etwas Glück sprechen. Die… Osher? Oshianer? Oshis? Hmm. Die Oshis pflegen jedenfalls keinen angenehmeren Fahrstil, als all die anderen Kirgisen. Irgendwann schlagen wir uns auf die Bürgersteige und erreichen… puuh, eine eigene und saubere Toilette, das ist doch was! Und am folgenden Tag haben wir frei und schlendern nach Lust und Laune durch die Stadt!

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