Radreise entlang der Seidenstraße: Durch Kirgistan und Usbekistan – Teil 2

Radtour Kirgistan

Radreise Etappe 1: Von Bishkek zum Toktogul

Von Pferden und Bergen und Durst

Diesen Morgen werden wir in aller Frühe von einer an unserem Zelt vorbeigaloppierenden Pferdeherde geweckt. Das macht richtig wach und so verlassen wir auch bald unser Zelt, gönnen uns ein ausgedehntes und gemütliches Frühstück und brechen dann in Richtung Pass auf. Direkt nach unserem Start verabschiedet sich ein Bremsbelag an Magdas V-Brake. Der war zwar richtig montiert, ist aber schlicht und ergreifend gerissen. Das hab ich vorher auch noch nicht gesehen und bewegt Magda sich nur noch bessere Beläge zu kaufen… von mir kaufen zu lassen. Ersatz haben wir dabei und der ist auch rasch montiert.

Radtour Kirgistan

Hinten in den Hügeln: unser Schlafplatz diese Nacht.

Wir passieren eine Mautstelle, an der wir aber durchgewunken werden. Dennoch halten wir nochmal an, um uns reichlich mit Getränken auszustatten. Es ist bereits kurz vor zehn und schon seit mindestens zwei Stunden ordentlich heiß. Und jetzt geht es richtig los. Mit der Mautstelle fangen auch die Berge an, wobei der Anstieg noch eine ganze Weile sehr moderat bleibt. Straßenbegleitend verläuft der Gebirgsbach, der uns vergangene Nacht mit seinem Klang erfreute und kühles Wasser spendete. Wir überqueren ihn mehrfach und haben häufig die Möglichkeit Wasser aus ihm zu entnehmen, was wir auch fleißig tun. Die kirgisische Hitze ist staubtrocken und selbst beim Bergauffahren entdecke ich auf meiner Haut praktisch keinen Schweißfilm. Schwitzen tut man aber natürlich und an seinem ständigen Durst merkt man das auch sehr heftig. Somit ist das kalte Gebirgswasser sehr willkommen.

Diesseits des Passes stehen nur sehr wenige Häuser (drei oder vier?) und meines Wissens gibt es auch keine Landwirtschaftlich genutzten Flächen. Viele Reisende trinken das Wasser denn auch direkt aus dem Bach. Wir nutzen zur Sicherheit dennoch einen Steripen, der das Wasser mit UV-Licht sterilisiert.

 

Auf meinem Gepäckträger fährt übrigens die größte Honigmelone der Welt mit, was eine tolle Idee ist wenn ein 50Km langer Anstieg und über 2000Hm vor einem liegen. Den ganzen Pass überlebt sie aber eh nicht. Als sich nach vielen, vielen Kilometern das Wetter zuzieht und es zu regnen beginnt, beschließen wir eine Rast zu machen und verputzen die Melone vollständig. Das tut mal richtig gut und sorgt für ordentlichen Nachschub an Wasser. Mittlerweile haben wir nämlich die gemütliche Steigung verlassen und fahren schon seit einiger Zeit Serpentinen. Wasser gibt es hier keins mehr, wohl aber eine tapfer kämpfende Magda und einen Andreas, der sich immer mal wieder freut, wenn er auf Magda warten kann. Die Steigung zehrt auch deswegen an den Kräften, weil die Luft hier oben für meine Bedürfnisse schon reichlich dünn ist. Wir kommen zwar voran, aber mit zunehmender Höhe halten wir immer mal wieder für ein paar Sekunden zum Verschnaufen. Wenn ich mir überlege, dass ich den Transfăgărăşan in Rumänien in 2 Std und 40 Minuten gefahren bin (von Norden nach Süden) und mit einem ziemlich schmerzhaften Knie ausgestattet war, zweifel ich nun irgendwie an mir, denn wir brauchen für die Strecke nun schon ewig. Schließlich aber sind wir erlöst und netterweise sogar schneller, als es uns unsere Höhenmesser vermuten ließen: der Tunnel ist in Sichtweite! Kurzer Stop, dann rein. Auf vielleicht zwei Kilometern Länge haben wir in Südrichtung eine leichte Steigung von vielleicht 2-3%. Der Tunnel ist ordentlich beleuchtet und belüftet und breit genug für zwei Autos und ein Fahrrad. Nur wenn LKWs ins Spiel kommen wird es etwas eng. Die dürfen aber jeweils nur von einer Seite fahren und stehen an der gegenüberliegenden Seite an einer roten Ampel.

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Egal wie steil der Berg ist, laut Schild hat er immer 12%.

Der Tunnel ist erreicht

Geschafft. Der Tunnel liegt hinter uns und damit auch der Anstieg. Nun geht es bergab, ist aber auch schon so spät, dass die Dämmerung einsetzt. Liebe Güte, wir haben schon halb acht! Also Vollgas und kein Pardon mit langsamen LKWs oder Autos, die lasse ich reihenweise stehen. Wurde ich bergauf noch freundlich von ihnen gegrüßt, mag mich nun, als ich sie überhole, wohl niemand mehr. Der Asphalt ist, wie schon die ganze Zeit, in sehr gutem Zustand, nur in den Kurven muss man aufpassen. Ich bringen meine Bremsen zum Glühen, muss unbedingt an dem Käsestand anhalten. Wir probieren ihn und… liebe Güte, den Käse muss man ja richtig zerbeißen! Pfff, ist der salzig – also genau das richtige für uns. Zwischendrin beißt man zwar mal auf irgendwas, was mit Sicherheit kein Käse, sondern eher erdiger Natur ist, aber so ist das halt. Wir lassen uns nur noch in die Hochebene reinrollen und suchen uns einen tollen Zeltplatz auf einem Hügel links der Straße. Noch ein Abendmahl, den grandiosen Sternenhimmel genießen und dann schlafen wir in unserem Zelt ein.

Das angenehme Wetter, an welchem wir uns beim Erwachen erfreuen, wird nicht lange währen. Es lädt uns aber nochmal so richtig zum Gammeln ein und so fahren wird heute erst um halb zwölf los. Die geplante Strecke ist ohnehin kurz, wir wollen heute einfach nur das Hochplateau durchqueren. Eigentlich stellt das keine sonderlichen Anforderungen an uns. Es geht minimal bergauf, dann wieder ebenso sanft bergab. Ab und an müssen wir anfahren, wenn wir mal wieder zum Getränkekauf angehalten haben… was das erste Mal beinah direkt nach dem Start geschieht. Auch wenn wir vorgewarnt wurden, hat uns die ziemlich moderne Tankstelle an der Strecke doch etwas überrascht. Natürlich sind wir auch hier zum Trinken abgestiegen und fragen drinnen nach einem Kaffee. Eigentlich gibt es den schon, nur momentan ist der aus. Gibt es frühestens am Abend wieder. So lange wollen wir nicht warten und so leisten wir Gustav Gesellschaft, der hier gerade eine Pause einlegt.

Sturm

Als es wieder losgeht, bin ich froh zu sehen, dass es Magda nach geschlagenen 10 Minuten schafft, Kabat, das ist ihr Rad, auf sage und schreibe 13Km/h zu beschleunigen. Aber dank des aufgekommenen Windes fällt es auch mir schwer ein ordentliches Tempo vorzulegen. Und der Wind wird stärker. Meine Windjacke fängt bei 50Km/h an zu flattern, wir fahren bald nur noch 10Km/h und sie flattert im Gegenwind wie verrückt. So bleibt es bis zum Abend als wir nach nur knapp 50Km unser Zelt an einem wunderschönen Platz aufbauen – und bald wieder abbauen. Der Wind hat sich zu einem Sturm entwickelt und das MSR Hubba Hubba NX kämpft tapfer gegen ihn an. An und für sich steht das Zelt noch beachtlich gut, aber von den Apsiden ist kaum noch was zu sehen und außerdem ist bereits nach wenigen Minuten eine ordentliche Ladung Dreck durch das Moskitonetz des Zeltes gedrückt. Ein reitender Kirgise erklärt uns die hier vorherrschenden Winde und empfiehlt uns mit dem Zelt hinter einem der hiesigen Bauwagen in Deckung zu gehen. Magda fragt unsere Nachbarn, sie laden uns gleich in ihren zweiten Bauwagen ein. Deren Jungs helfen uns beim Gepäck abladen und einen von ihnen werden wir am Abend und kommenden Morgen nicht mehr los. Die Familie versorgt uns mit Kumis, von der Magda immerhin einen ganzen Schluck trinkt und ich aus Höflichkeit den Rest. Augen, Nase, alles zu, zwei Züge, dann ist das Zeug weg. Uuuh, furchtbar!

Der Abend ist kalt, die Nacht ist kalt, der Morgen ebenso. Ab und an regnet es ein wenig und so bleibt es auch den nächsten Tag, bis wir nach einem zweiten Pass über 3175 Meter wieder eine ganze Ecke ins Tal gefahren sind.

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