Radreise entlang der Seidenstraße: Durch Kirgistan und Usbekistan – Teil 4

MSR Hubba Hubba HP Kirgistan.

Radreise Etappe 2: Vom Toktogul nach Osh

Von Dünen und Steinewerfern in Kirgistan

Die höchsten Berge unserer Radreise durch Kirgistan und Usbekistan liegen hinter uns und langsam höre ich auf an meiner sportlichen Inkompetenz zu zweifeln. Das Fahren in der Hochebene, bzw. der dortige Sauerstoffmangel und der heftige Dauergegenwind, haben meinen Körper doch stärker beeinflusst, als ich es mir vorgestellt hab. Aber nun fahren wir ja wieder durch die Ebene, die dank der Sanddünen eine gewisse Welligkeit allerdings auch nicht ganz verbergen kann. Schön ist es hier, das erste Mal überhaupt, dass ich Sanddünen sehe und so fahren wir noch einige Kilometer und nutzen das Panorama als Schlafplatz.

Kirgistan Sanddüne Seidenstraße

Dieser kleine Punkt da auf der Straße vor der Sanddüne, das ist Magda.

Am Morgen geht es weiter, aber nicht für meinen Tacho. Der legt erstmal für die nächsten Kilometer eine Pause ein. Eine Folge des nächtlichen Regens? Wer weiß. Eins weiß ich aber, heute ist der 16.08., unser Jahrestag! Und Magda gibt wahrscheinlich ihm zu Ehren Vollgas und lässt auch bergauf den Asphalt in Kirgistan brennen –  immerhin wird uns eine Steigung von 12% angezeigt (wie immer; real sind es 6%).

Toktogul, Kirgistan

Ein Blick auf den Toktogul in Kirgistan.

Wir umrunden den Toktogul und gehen dann erstmal was essen: Mantel und Spiegelei und Kaffee aus schmutzigen Tassen. Noch bevor wir richtig sitzen werden wir wieder in ein Gespräch verwickelt, ausgefragt und zu dem Typen nach Hause eingeladen. Bald geht’s weiter, aber weil sich der Himmel zuzieht und es zu regnen beginnt, kehren wir bald in die nächste Gaststätte ein. Es ist kalt, ich friere und habe nun eine Stunde Zeit die kreativ gestaltete und offen liegende Elektroinstallation am Nebengebäude (dort wo wir sitzen) zu bewundern.

Restaurant in Kirgistan

Auch so kann man Leitungen verlegen. Sollte man aber nicht.

Im Sonnenschein geht’s erneut los. Immer wieder bewundere ich die Schönheit der Dünen und des Sees und wie viel Müll man doch aus fahrenden Autos werfen kann. Und wie betrunken und mit welch einem Rad man fahrradfahren kann. Der Typ vor mir hält alle paar Meter an, weil ihm seine Kette Ärger macht. Mal hält er rechts an der Seite, mal in der Mitte der Fahrbahn, so recht weiß er wohl selbst nicht, wo er hintorkelt.

Winnetou in Kirgistan

Herrlicher Stausee in Kirgistan. Ich glaube, ich habe da hinten gerade eine Wildwest-Schießerei gesehen!

Wir erklimmen ein 500 Höhenmeter-Pässchen und finden auf der anderen Seite ein grünes Paradies, wo wir unser Zelt aufschlagen, die Nacht genießen und ich am nächsten Morgen Magdas Hinterreifen flicken darf. Wie war das mit „unplattbar“, Schwalbe? Gegen 10:30 Uhr kommen wir endlich los… und stoppen bald wieder. Zwei Darmstädter kommen uns entgegen und wie das unterwegs so ist, werden Eindrücke und Erfahrungen ausgetauscht. Die beiden berichten von ein paar Kindern, die ein paar Kilometer zurück Steine auf einen angeketteten Hund geworfen hätten. Als wir die Stelle erreichen, bewerfen sie kurzerhand mich, getroffen haben sie jedoch nicht. Pfff, was soll man da machen? Ich hab es in diesem Fall auf sich beruhen lassen und wir verlassen diesen wirklich trostlosen Ort (Kara-Köl) frisch eingedeckt mit Lebensmitteln und Getränken und einem guten Essen im Bauch. Die Gastwirtin hat sich rührend um uns gekümmert, eine schöne Begegnung und ein ganz schön leckerer Tag.

Stause in Kirgistan, hier zelten wir.

Unser heutiger Schlafplatz am Stausee in Kirgistan. Wunderschön, oder?

Wir erreichen drei hintereinanderliegende Stauseen. Und wie das bei solchen Seen nun mal so ist, ist ihre Uferstraße schön hügelig. Nicht wirklich schwer zu fahren, aber trotz der unheimlich schönen Landschaft (in der nur noch Winnetou gefehlt hat) und herrlichen, türkis spiegelnden Seen, zieht sich die Straße wie Kaugummi und hört und hört nicht auf. Ein wenig erinnert mich das an den Rhein oder die Mosel. Hübsche Landschaft, die man gern sieht, Weinberge, alles gut. Aber man fährt Stunde um Stunde mit dem Rad und wirklich was ändern tut sich nicht. Schön ist schön, wird aber auch mal irgendwann langweilig.

Ein paar Kirgisen reißen mich aus dem Trott. Einer hält einen Hund an der Leine, der von einem anderen mit einer Latte geschlagen wird. Wir sind da dran vorbei. Ehrlichgesagt war es mir auch zu mulmig einzuschreiten. Ein komischer Tag heute. Komische Leute unterwegs. Immerhin beenden wir ihn mit einem absoluten Zeltplatzhighlight direkt an einem herrlichen See in Kirgistan.

 

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.